In der Vergangenheit hat man gerne mit den gerade „modernen“ oder erhältlichen Materialien gearbeitet. Heute wissen wir es durch die Langzeiterfahrung besser.
Was macht eiszeitliche Fossilien so empfindlich?
Fossiles Elfenbein zeichnet sich durch einen unvollständigen Abbau von organischem Material und den teilweise neu eingelagerten mineralischen Anteilen ab. Insgesamt sprechen wir von einer sehr inhomogenen Erhaltung des subfossilen Originalmaterials. Vor allem Zähne bestehen aus verschiedenen Zahnmaterialien, die unterschiedliche Anteile von organischen und mineralischen Komponenten aufweisen, wie z.B. das Dentin, dass aufgrund des großen organischen Anteils einen hohen Wasseranteil fasst, anders als der Schmelz der mit hohem mineralischen Anteil weniger auf sich ändernde Luftfeuchtigkeit reagiert. Werden diese Zähne einer Trocknung ausgesetzt schrumpfen diese Komponenten unterschiedlich stark, was unweigerlich zu Spannungsrissen führt bis zum kompletten Zerfall des Zahns.
Anders als bei frischem Zahnmaterial reagiert das subfossile unvorhersehbar auf starke Trocknung und hohe Luftfeuchtigkeit oder Wasser. Fossilien, die zu uns in die Werkstatt kommen wurden oft wie frisches Elfenbein mehr oder weniger langsam und schonend versucht zu trocknen. Das was bei frischen Elfenbein funktioniert, klappt bei subfossilen Zähnen selten gut. Man kann Glück haben und nichts passiert, aber man geht das Risiko ein, dass es später dennoch zu Schäden kommen kann. Wichtig ist es eine gleichmässige Luftfeuchtigkeit zwischen 50-60% zu gewährleisten und Neufunde direkt vor Trockung zu bewahren. (sehen Sie auch dazu unseren Beitrag zu „Subfossile Fossilien“). Dennoch gibt es keine Garantie, dass diese Vorsichtsmassnahme ausreicht.
Diese frischen Knochenfunde aus der Eiszeit sollten langsam getrocknet werden. Diese Methode hat sich als sehr schädlich erwiesen.
Was wären die ersten erhaltenden Schritte?
Durch Trocknung zerfallender Mammut-Molar.
Wir schauen uns das Objekt genau an. Wurde es schon einmal behandelt oder ist es „nur“ getrocknet?
Bereits behandelte Fossilien:
Zunächst versuchen wir alte Lacke zu lösen. Schellack z.B.: Sehr auffällig durch seine meist honiggelbe, stark glänzende Farbe verändert sich mit den Jahren chemisch zu einer nicht mehr lösbaren Variante. Er versetzt die Oberfläche des Originals unter Spannungen, weil er nicht genauso flexibel auf Klimaveränderungen reagiert wie das Zahnmaterial. Das führt zu kleinen Rissen und Abplatzungen des Originalmaterials. Zur Vermeidung weiterer Schäden wird der Lack soweit wie möglich gelöst, was auch wieder die natürlichen Farben des Fossils zu Tage treten lässt. Ich empfehle keine erneute Lackierung, sondern eine klimatisierte Lagerung.
d.h. möglichst gleichbleibende Luftfeuchtigkeit bei 50-60% RLF und gleichbleibender Temperatur. Vor allem sollte Sonneneinstrahlung oder warme Beleuchtung vermieden werden.
Schäden an der Oberfläche eines Mammut-Molars, die durch Schellacklackierung entstanden sind.
Schellack wurde Jahrzehnte zur Lackierung von Fossilien gewählt und ist heute für viele Schäden verantwortlich.
Was gibt es also für Möglichkeiten Mammut-Molare zu restaurieren, wenn sie bereits starke Zerfallserscheinungen zeigen?
Nach der beschriebenen Reinigung von Staub, alten Konservierungsmaterialien und Klebern, sieht man oft erst den wahren Zustand. Wie viele Ergänzungen wurden evtl. gemacht. Je nachdem aus welchem Material sie sind und deren Zustand und Qualität können Ergänzungen erhalten werden oder auch nicht. Der Molar ist an den Dentinschichten auseinandergebrochen, stark verformt. Die Verformung lässt sich nicht mehr beheben, so dass beim Wiederzusammensetzen die einzelnen Bruchstücke nicht mehr lückenlos schliessen werden. Ausserdem ist die Dentinschicht durch zahllose Risse sehr versprödet und bröselig, wodurch Originalmaterial herausbricht.
Die einzelnen Segmente des Zahns liegen also von alten Lacken und Klebern gereinigt vor uns. Nach dem Zusammensetzten werden die Segmente mit Kunststoff getränkt. Dabei werden feine Risse die Lücken zwischen den Segmenten vollständig gefüllt. Der Kunststoff festigt das Fossil, schrumpft nicht und macht es wieder ausstellungsfähig. Die Oberfläche ist nicht mit Kunststoff überzogen, sondern im natürlichen Zustand.
Es gibt Vor- und Nachteile der Methode.
Der Nachteil, der Kunststoff ist nicht wieder lösbar. Deshalb ist diese Methode vor allem bei trockenen, schwer geschädigten Objekten mit hohem Gewicht empfehlenswert.
Der Vorteil: Das Fossil ist stabilisiert. Das Fossil ist weniger empfindlich in den getränkten Bereichen gegen ein weiterer Zerfall durch Klimaschwankungen ist, denn der Kunststoff ist in der Lage entstehende Spannungen aufzunehmen ohne erneut zu reissen. Ein klarer Vorteil gegenüber anderen Methoden wie z.B. der Behandlung von Lacken, die nachweislich keine konservierende Wirkung haben, Spalten nicht vollständig füllen und dem Zerfall des Fossils teilweise durch Zersetztungsprodukte und entstehende Spannungen noch beschleunigen.
Trotz der fortschrittlichen Behandlung sollten eiszeitliche Fossilien immer klimakontrolliert gelagert werden.
Mammutmolar vor der Restaurierung
Alte Lacke und Kleber halten die stark verformten Segmente notdürftig zusammen.
Mammutmolar nach der Reinigung
Alte Kleber und Lacke wurden entfernt, so dass die einzelnen Bruchstücke des Mammutmolars jetzt nebeneinander liegen.